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Lesedauer: 7 Minuten
Für SAP-Verantwortliche, IT-Leiter und Geschäftsführer

Design ist überall. Für Software spricht man dabei von „User Experience“, also dem Gesamterlebnis des Nutzers während der Bedienung. Doch „gutes Design“ lag viel zu oft im Auge des Betrachters. Im Kontext von Geschäftsanwendungen hatten Entwickler immer zur einen Hälfte den Prozess und zur anderen die Programmierumgebung im Blick. Die Oberfläche war ein lästiges Übel, vor allem wenn Designer beteiligt waren.

Das Dilemma

Die Entwickler pochten zwar auf Einfachheit, verloren sich aber nicht selten in Aneinanderreihungen beliebig aufgebauter Formulare ohne echte Nutzerführung. Designer begegneten dem mit trotzigen Anforderungen wie abgezirkelten Layouts oder DetailSpielereien. Den Blick für das Wesentliche haben beide Seiten verloren. Doch das ist im Zeitalter mobiler Anwendungen entscheidend. Simplizität, Symmetrie, Harmonie - jeder Mensch sehnt sich danach, auch im täglichen Arbeitsprozess. Nennen wir es das „User Experience Gen“, das in uns allen schlummert und immer dann angesprochen wird, wenn wir Spaß an der Bedienung von Software haben.

Es ist wichtig, dass wir bedienen wollen

Der UX Designer Erik Kennedy stellte vor einigen Jahren fest, wie bedeutend es für den Menschen ist, wenn Oberflächen auf Bildschirmen dreidimensional und anfassbar wirken. Auf den von Apple gesetzten Trend aus den Nullerjahren folgte die radikale Kur des „Flat Designs“. Doch die Welt ist nicht flach. Eine gesunde Portion Haptik ist für unser Gehirn nötig, damit wir wirklich bedienen wollen. Nach Apple erkannten dies auch Microsoft und Google. Letztere setzen mit „Material Design“ auf die metaphorische übertragung von realem Material auf den Bildschirm (leichtes Papier, fester Karton etc.). Im Ergebnis sehen wir heute subtil erhobene, schattierte Buttons, leicht animierte Felder mit aufpoppenden Bezeichnern oder farbliche Hervorhebungen je nach Kontext. Manchmal kaum für den Benutzer sichtbar, aber durch ihre Subtilität immer spürbar. Damit sind wir beim Kern von User Experience angelangt. Das individuell erfahrbare Erlebnis macht den Unterschied.

SAP ging mit UI5 und Fiori einen ähnlichen Weg. Auf der Suche nach dem Allheilmittel für die komplexen Oberflächen eines ERP-Systems entstanden umfangreiche Bibliotheken und Guidelines. SAP-Entwickler sollten sich leichter in der neuen vom UX-Gen bestimmten Welt zurechtfinden. Im Kontext mobiler Anwendungen war es ursprünglich auch für Gelegenheitsnutzer gedacht. Klassiker war der oft bemühte Urlaubsantrag. Doch Fiori hat sich schnell zu dem entwickelt, was es im Kern ist: ein Ersatz für SAP GUI, der obendrein auch noch responsiv für Desktop, Tablet und Smartphone funktioniert.

Fokus auf den mobilen Prozess

Kernproblem ist bis heute der fehlende Platz auf Mobilgeräten. Es zwingt alle an der Entwicklung Beteiligten dazu, Elemente zu hinterfragen, wegzulassen und konsequent kontextbezogen zu denken. Unweigerlich rückt die Betrachtung des Prozesses und die gezielte Führung des Benutzers in den Fokus. Denn Ziel eines jeden Unternehmens kann es nur sein, die Arbeitsvorgänge des Mitarbeiters so rational und angenehm wie möglich zu machen. Um Zeit und Kosten sparen, die Qualität zu erhöhen, aber eben auch, um eine attraktive Arbeitsumgebung zu schaffen.

SAP spricht in diesem Zusammenhang öfter von der anspruchsvollen Generation Y, die gute Software mit guten Oberflächen nahezu gleichsetzt. Doch das ist zu kurz gegriffen. Im privaten und beruflichen Kontext zählen mittlerweile alle Gruppen zu anspruchsvollen Nutzern. Mobile Software gehört zum Handwerkszeug aller Mitarbeiter. Und die nutzen im privaten Umfeld oft besser gestaltete Apps. In der innerbetrieblichen Logistik, der Produktion, in der Auslieferung oder auch im technischen Außendienst ist die Situation sogar noch verschärft. Hier ist schon die zweite oder gar dritte Generation der mobilen Software-Werkzeugkiste im Einsatz. Die Nutzer sind erfahren und haben entsprechend hohe Erwartungen.

Gutes mobiles UX Design - worauf ist zu achten?

Es gibt 5 Kernpunkte, die im mobilen Geschäftskontext immer mitbedacht werden müssen:

  • Robustere Geräte erfordern spezielle Oberflächen: der Daumen ist bei einem schweren Industriegerät weiter entfernt als beim handelsüblichen Smartphone; Wischgesten können mitunter nicht eingesetzt werden, wenn Handschuhe in Gebrauch sind
  • Bedienbarkeit über Tastatur: in einigen Kontexten nötig - hier ist der „mobile first“- Ansatz zu hinterfragen, denn derlei Anwendungen müssen gleichzeitig über Touch und Tastatur-Eingaben funktionieren
  • Hardware-Integration und Peripherie: das Scannen von Barcodes ist integraler Bestandteil, vor allem in der Logistik; technisch muss dies unterstützt werden, auf jeglicher Hardware; Mobile Drucker stellen Prozess und Anwendung vor zusätzliche Herausforderungen
  • Responsiveness ist kein Allheilmittel: zweifelsfrei gehört sie dazu, doch durch den stark prozess-bezogenen Kontext greift das Versprechen „ein UI für alle Devices“ nur teilweise; wie auch in E-Commerce-Apps geht es eher darum, spezifisch für einen Formfaktor optimale Ergebnisse zu erzielen; responsive Oberflächen müssen Hardware-Unabhängigkeit in einer Geräteklasse gewährleisten, die dem Unternehmen Investitionssicherheit bietet
  • Einmal entwickeln und immer wieder verwenden: die Rollout-Fähigkeit mobiler ERP-Anwendungen muss mitbedacht werden; selbst, wenn sich Prozesse marginal von Werk zu Werk unterscheiden, sollten sie für ein optimales Ergebnis berücksichtigt werden; effiziente Anpassbarkeit ist entscheidend

Braucht jede App einen UX Designer?

In der perfekten Welt: ja! Eine gute mobile Anwendung benötigt heutzutage eine gehörige Portion gutes UX Design. Doch brauchen mobile Business-Anwendungen wirklich immer diesen zusätzlichen Teil? Schließlich bringen sie schon eine sehr mächtige weitere Dimension mit sich: die Kenntnis vom Geschäftsprozess und dessen Optimierung. Eine große Herausforderung für jedes Unternehmen, das ernsthaft mobile Anwendungen für seine betrieblichen Abläufe einsetzt. Die Komplexität hat sich in den letzten Jahren erhöht, genauso wie die Anzahl der Gerätetypen, auf denen wir mit Software konfrontiert sind.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht: die Grenzen zwischen den Kompetenzen verschwimmen zusehends. Entwickler der jüngeren Generation tragen meist das UX-Gen in sich. Sie sind damit aufgewachsen, simple und leicht bedienbare Oberflächen zu nutzen, die obendrein auch oft noch das Prädikat „schick“ verdienen. Ebenso wuchs das Verständnis der Designer für die Entwicklerzunft: statt sich in Grabenkämpfen über den richtigen Einsatz von Schriftgrößen Screen für Screen zu verlieren, schaffen Sie lieber klare Vorlagen und Richtlinien. Gutes UX Design mobiler Anwendungen orientiert sich heute eher an Corporate Design Prinzipien als an kurzfristiger Effekthascherei.

Weil einfach einfach einfach sein muss

SAP und andere Anbieter haben für ihre Entwicklerzunft mächtige Komponentenbibliotheken geschaffen, die für das große Ziel des einheitlichen Designs komplexer Anwendungen geeignet sein sollen. Sie erfordern viel Know-How in bestimmten Programmiersprachen (Javascript), genauso wie in Design-Konzepten (Responsive Layouts). Insbesondere beim mobilen Geschäftsprozess geht es jedoch um weniger umfangreiche, eher auf den Punkt gestaltete Anwendungen, die durch gezielte Kniffe wiederkehrende Aufgaben leichter machen. Es sind Prozesse wie vereinfachtes Picking im Kommissionierbereich oder intelligente Nutzerführung für komplexe Serviceberichte, in denen erhebliches Potenzial für Optimierung steckt.

Allein schon wegen der schieren Menge mobiler Anwendungen, ist Effizienz in der Entwicklung entscheidend. SAP-Entwickler brauchen intelligente Tools, die ihnen helfen, die Oberflächen, aber auch den Ablauf - den Application Flow - einer mobilen Anwendung schnell zu erstellen. Einfach zu bedienende Apps sollten auch einfach zu erstellen sein. Die Programmierung muss auf ein Mindestmaß reduziert werden. Basierend auf den Richtlinien der UX Designer und den verfügbaren Bibliotheken und Frameworks schlägt somit die Stunde der Rapid Development Tools mehr denn je. Schließlich sollen Entwickler und Berater weder Programmierer noch Designer für mobile Anwendungen werden, sondern sich auf ihre größte Stärke konzentrieren: den Prozess, seine Optimierung und die adäquate Abbildung für den mobilen Fall - für alle Mitarbeiter, denn das UX-Gen schlummert in jedem von uns.

Dieser Text erschien auch in der SAPPORT-Ausgabe 06/2017


Michael Buschner

...ist CEO und Gründer der commsult AG und verantwortet die Bereiche Innovation & Product sowie Finance & Administration.

michael.buschner@commsult.de