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Richtig eingesetzt, ein lohnendes Zusammenspiel.

Lesedauer: 14 Minuten
Für Logistiker und SAP-Verantwortliche

Die optimierte Verteilung von Arbeitsaufträgen ist ein Schlüsselthema in der Sicherung des Arbeitsflusses – oft IT-seitig unterstützt. Der Einsatz eines spezifischen Lagerleitstandsystems in Kombination mit mobilen Endgeräten kann sich für viele Anwendungsfälle lohnen.

Kommissionierung als zentrale Aufgabe

Die optimierte Verteilung von Arbeitsaufträgen ist ein Schlüsselthema in der Sicherung des Arbeitsflusses und vielfach IT-seitig unterstützt. Der Einsatz eines spezifischen Lagerleitstandsystems in Kombination mit mobilen Endgeräten kann sich für viele Anwendungsfälle lohnen. Die Planung im Voraus sichern, die Auslastung intelligent – bis hin zur Automatisierung – steuern und Prioritäten vergeben und überwachen. Das sind die Kernaufgaben einer solchen Software. So bewegt man sich oft auf der Ebene von Zähllisten, Transport- oder Kommissionier-Aufträgen, die möglichst reibungslos verteilt ablaufen sollen. Das „Kritische“ wird parametrisiert und erkennbar gemacht, um es dem Lagerverwalter so frühzeitig wie möglich anzuzeigen. Danach erfolgt die Handlung, ein Umplanen bzw. Optimieren vor allem von diesen kritischen Vorgängen. Hierbei steht die Unterstützung der besten und schnellsten Reaktion im Vordergrund.

Herausforderungen sind vielschichtig

Doch bereits in der Planung entstehen komplexe Zusammenhänge, die zu berücksichtigen sind. Die Fähigkeiten der Lagermitarbeiter und die verfügbaren Werkzeugressourcen bringen eine zusätzliche Ebene ins Spiel. Verfügt ein Mitarbeiter über einen Staplerführerschein, ist er für Aufträge im Hochregal-Lager einsetzbar, sein Kollege vielleicht nicht. Auch die Kapazität des Stapler-Fahrzeugs und seine zeitliche wie räumliche Verfügbarkeit kann eine Rolle spielen. Die Lagerverwaltung muss diese Faktoren neben Schichtplänen, Auftragskriterien, Lagerzonen berücksichtigen – und idealerweise Komfortfunktionen anbieten, die dem Benutzer die Optimierung erst ermöglichen können. Ohne diesen Gesamtüberblick bleibt der Nutzen meist überschaubar bzw. konzentriert sich auf nachträgliche Fehlersuche, anstelle auf proaktiver Fehlervermeidung und Ablaufoptimierung.

Warum nicht alles im ERP abbilden?

Neben den eigentlichen Vorgängen/Aufträgen stehen die Verfügbarkeit von Mitarbeitern, ihre Skills und die verfügbaren Werkzeuge in einem Spannungsverhältnis. Ein Standard- Lagerleitstand des WMS von SAP z.B. bietet vor allem folgende Funktionalitäten (Quelle: SAP-Doku):

  • Automatische überwachung von Lagervorgängen
  • Automatische Erkennung und Anzeige von Fehlern im Lager
  • Unterstützung bei der Analyse von Vorgängen, bei denen Fehler aufgetreten sind
  • Unterstützung bei der Fehlerbehebung
    Bei dieser Auflistung wird klar, dass die oben dargestellten Zusammenhänge nicht von Haus aus berücksichtigt werden. Eine spezifische Lagerleitstand-Software bringt diese Zusammenhänge mit ein, bereitet sie auf und macht sie transparent – ohne den Kernprozess im ERP-System zu verändern. Mit Bordmitteln ist das nur mit sehr hohem Customizing-Aufwand erreichbar, weshalb viele Unternehmen das Investment an dieser Stelle scheuen.

Verknüpfung mit mobilen Apps hebt Potenziale

In der Abwägung dieser Zusatzanschaffung lohnt sich der ganzheitliche Blick auf die Abläufe im Lager und deren IT-gestützte Abbildung. Der Einsatz von Mobilgeräten für Lageristen ist besonders spannend. Vielerorts werden sie immer noch innerhalb von Insellösungen als bloße Zählhilfen genutzt. Die Potenziale verknüpfter Prozesse werden verschenkt, auch weil es oft

am flexiblen Gegenstück auf der ERP-Seite fehlt – oft hingegen auch, weil die Software auf den Mobilgeräten auf „Scan&Send“ degradiert wird. Im Rahmen gut gestalteter Funktionalitäten können die Mobilgeräte heutzutage jedoch wesentlich mehr. Idealerweise so, dass sie leicht und intuitiv für jeden Lageristen bis hin zum kurzfristigen Saisonarbeiter zu bedienen sind. Das Zusammenspiel mit einer individuellen Lagerleitstand-Software eröffnet dann ganz neue Möglichkeiten und bietet höhere Flexibilität. An den folgenden zwei grob erläuterten Beispielen wird dies deutlich:

Zusammenspiel in der Inventur

  • Im ERP-System werden Inventurbelege erstellt und vorbereitet an die Lagerleitstand-Software übertragen
  • Inventurleiter kann jeweilige Zähllisten den Mitarbeitern zuweisen oder automatisch verteilen lassen; Mitarbeiter können sich ggf. auch selbst Zähllisten anfordern oder mit einer Zählung flexibel beginnen, je nach Implementierung und Prozessanforderungen
  • Inventurleiter sieht eine übersicht der bereits gezählten Artikel
  • Mitarbeiter haben jeweilige Zähllisten auf das mobile Endgerät bekommen und melden diese direkt an den Lagerleitstand zurück
  • Inventurleiter sieht direkt Abweichungen und kann reagieren (erneute Zählung oder manuelle Korrektur)
  • Bei Ausfall oder gröberen Fehlern von Mitarbeitern kann ebenso schnell reagiert werden und ggf. Zähllisten neu verteilt werden, je nach Verfügbarkeit von Ressourcen
  • Erst nach fehlerfreiem Abschluss der Inventur, kann der Leiter diese kumuliert an das führende ERP-System zurückmelden; eine Korrektur oder nachträgliche Fehlersuche dort entfällt und der Zeitpunkt der finalen Rückmeldung kann spezifisch gesteuert werden

Zusammenspiel in der Disposition von Transportaufträgen

  • Auftragsdaten werden in die Lagerleitstand-Software aus dem ERP-System geladen und dem Disponenten zur Anzeige gebracht
  • Disponent erhält eine möglichst übersichtliche grafische Darstellung (je nach Zeitraum (Stunden-, Tages-, Wochenansicht) welche Aufträge zu erledigen/disponieren sind
  • Eskalationen sollten bereits hier über eine persönliche Watchlist, gespeist aus automatischen und manuellen Einträgen, erkennbar werden
  • In der übersicht wird der Status der offenen/bearbeiteten Transportaufträge deutlich
  • Aus einem Pool von Aufträgen kann er die zugewiesenen Ressourcen einplanen; je nach benötigten Skills des Auftrages und in Abhängigkeit der Ressource wird farblich angezeigt, ob der Auftrag zu diesem Mitarbeiter disponiert werden darf/kann
  • Das Mobilgerät des Mitarbeiters holt sich je nach Einstellung des Intervalls automatisch oder manuell neue Daten ab, die für ihn relevant sind
  • Mitarbeiter nimmt Auftrag aktiv an
  • Disponent sieht in einer grafischen übersicht (Plantafel), dass sich der Status des Auftrags geändert hat
  • Etwaige Fehler oder zeitliche Verzögerungen in der Erledigung des Auftrages führen wiederum zur Eskalation in der Watchlist des Disponenten, woraufhin dieser aktiv neu verteilen bzw. umplanen oder Hilfestellung geben kann
  • Erfolgreich erledigte Aufträge können dann über das Mobilgerät direkt an das führende ERP-System zurückgemeldet werden, eine Zwischenspeicherung zur weiteren Nutzung im Lagerleitstand ist nicht mehr erforderlich (lediglich der Status des Auftrags wird als erledigt markiert)

Für die Kommissionierung oder die Disposition von Instandhaltungsaufträge sind die Szenarien ähnlich und folgen immer dem Grundschema aus Zusammenführung verschiedener Daten, deren übersichtlicher Darstellung, der transparenten Zuweisung nach Abhängigkeiten und Prioritäten, ihrer Abarbeitung sowie der Kontrolle und Fehlerbehebung.

Worauf muss man achten?

Flexibilität vs. Integration: auch wenn vor allem IT-Verantwortliche vor zusätzlichen Systemen zurückschrecken, so sind die gezeigten Anwendungsfälle prädestiniert für eine Abbildung über Drittsoftware. Die Komplexität der Datenartefakte und die übersichtliche Darstellung ihrer Relationen zueinander ändern schließlich nichts am eigentlichen Geschäftsprozess. SAP hat in seinem Konzept des sog. „Agility Layers“ damit begonnen, Anwendungen, die vor allem zusammenführende Informationen und Aktionen abbilden, nicht mehr im Kern des ERP-Systems zu sehen. Mittlerweile wird dies auch technologisch durch den weit verbreiteten Einsatz von Web Services unterstützt.

Der Nutzerkomfort spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Eine moderne und aufgeräumte Oberfläche, die auch Funktionen wie Drag&Drop von Aufträgen bei der Zuordnung zu Ressourcen vorsieht sollte als Standardanforderung gelten. Vorsicht ist vor allem beim Thema der mobilen Anwendung geboten. Dass eine Lagerleitstand-Software auch auf dem Tablet oder Smartphone funktioniert, trifft den Kern der Anforderung nicht, ja sie ist sogar irreführend. Der Lagerverwalter selbst ist oft ein Desktop-Arbeiter, der in den meisten Fällen die Dispositionsarbeit an einem stationären Arbeitsplatz erledigt. Der erweiterte Einsatz eines mobilen Endgerätes für die Lageristen ist viel entscheidender. Die Apps müssen für das Zusammenspiel mit dem Lagerleitstand gerüstet sein. Sie müssen insbesondere in puncto Benutzeroberfläche auf dem neuesten Stand sein, damit das einstmalige reine Scan-Device zum umfassenden Werkzeug werden kann. Die genannten Optimierungen gelingen nur, wenn Lagerverwalter und Lager-Mitarbeiter auf einen Datenbestand und dieselben Funktionen zurückgreifen – wenn auch in unterschiedlichen Rollen – stets mit durchdachtem Bedienkomfort und durchgängigen Prozesslogiken.

Dieser Text erschien auch im logistik journal Ausgabe 6/2018


Markus Wills

...ist Project Manager bei der commsult AG und hilft Unternehmen dabei, ihre Prozesse mit mobiler Software zu verbessern.

markus.wills@commsult.de